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Chile - Wirtschaft und Soziales

Wirtschaft und Soziales:
Als Gegenpol zum sozialistischen Konzept von Salvador Allende wurde die chilenische Volkswirtschaft unter Augusto Pinochet konsequent nach marktwirtschaftlich-neoliberalen Aspekten umgebaut und dereguliert. Staatliche Unternehmen wurden sowohl zu Zeiten Pinochets als auch danach größtenteils privatisiert, allerdings sind die von Allende verstaatlichten Kupferminen, die seit Pinochet unter direkter Kontrolle des Militärs standen, immer noch in Staatsbesitz. Auch wenn die nach Pinochet regierenden Mitte-Links-Regierungen bemüht waren, soziale Härten abzufedern, gilt Chile heute nach wie vor als eines der Länder mit den größten sozialen Ungleichgewichten und als eines der Paradebeispiele für die reine Marktwirtschaft nach der Maxime der Chicago Boys.
Nachdem die ersten zehn Jahre Pinochets Wirtschaftspolitik zu auch im lateinamerikanischen Vergleich miserablen Ergebnissen führten, weist die chilenische Volkswirtschaft etwa seit Mitte der 80er Jahre überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Jedoch gingen Asien- und Brasilienkrise 1997/98 nicht spurlos an dem Land vorüber, jedoch meisterte das Land diese Krise besser als seine Nachbarn. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich für das Krisenjahr spürbar auf -0,5 % ab, die Arbeitslosigkeit stieg. Erst seit 2002/03 weist Chile wieder deutlich höhere Wachstumsraten auf, die jährlich um die 6%-Marke schwanken. Heute ist das Land das wohlhabendste in Südamerika.
In einem Ranking der unternehmerfreundlichsten Länder der Welt, welches von der Weltbank-Tochter International Finance Corporation erstellt wurde, landete Chile 2005 auf dem 25. Platz als bestes lateinamerikanisches Land. Deutschland besetzt laut dieser Studie Platz 19, Kolumbien als zweitbestes südamerikanisches Land Platz 66.
Im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International belegt Chile erstaunlich permanent einen Platz unter den 20 korruptionsfreisten Ländern der Welt, und lässt somit des öfteren, wie im Jahre 2004 auf Platz 20, europäische Länder wie Frankreich, Spanien und Italien hinter sich. Im lateinamerikanischen Vergleich kommt nur Uruguay mit Platz 28 in die Nähe, weiter abgeschlagen liegen Brasilien auf Platz 59, Kolumbien 60, Cuba 62, Mexiko 64, Peru 67, Argentinien 108, Ecuador 112, Venezuela 114, Bolivien 122 und Paraguay auf Platz 140.
Die Arbeitslosenrate lag im Jahre 2004 bei 7,8 %. Die Armutsrate lag 2003 bei 18,8 % und die Rate extremer Armut bei 4,7 % der Bevölkerung. Die Armutsrate hat sich seit 1987 mehr als halbiert, die extreme Armut hat nur noch ca. 30 % des Wertes von 1987. Die neue demokratische Regierung Chiles führte das Programm „Chile Solidario“ ein, damit werden die 250.000 ärmsten Familien im Land von staatlichen Helfern betreut und finanziell unterstützt.
Die Inflationsrate liegt im Schnitt zwischen 2 % und 4 %. Seit 1998 hat sie die 5-%-Marke nicht mehr überschritten. Im Jahre 2004 lag sie bei 2,4 % und für 2005 wird von der chilenischen Zentralbank ein Wert von 2,5 % erwartet.
Das Bruttosozialprodukt stieg im Jahr 2005 um 6,3 % auf 115,3 Milliarden US-Dollar, dies entspricht in etwa 7146 US-Dollar je Einwohner. Chile ist heute, wenn man die pro Kopf Statistik berücksichtigt, das reichste und exportstärkste Land Lateinamerikas.
Wirtschaftssektoren:
Den größten Anteil an der Wertschöpfung hat der Dienstleistungssektor mit 57 %, gefolgt vom Produktionssektor und der Landwirtschaft mit 34 % bzw. 9 % Anteil (Stand: 2001).
Chile gehört zu den führenden Wirtschaftsnationen Lateinamerikas sowie zu den größten Rohstoffproduzenten. Es verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (ca. 40 Prozent). In Chile liegen die größten Kupferminen der Welt, Chuquicamata (Übertage) und El Teniente in Sewell (Untertage), die vom staatlichen Konzern CODELCO ausgebeutet werden. Verschiedene Edelmetalle und vor allem Salpeter führten Chile schon im 19. Jahrhundert zum Reichtum. Momentan wird mit dem Pascua-Lama-Projekt eine der größten Goldminen der Welt geplant, bei dem jedoch große Umweltschäden befürchtet werden. Daneben werden heute Forst-, Fischerei- und Landwirtschaft betrieben. Nur etwa 7 % der Landfläche wird für die Landwirtschaft genutzt. Diese Flächen befinden sich hauptsächlich im Zentraltal. Im Norden Chiles beschränkt sich die Landwirtschaft im wüstenhaften Gebiet oft nur auf Oasen. Die Viehzucht ist hauptsächlich in Zentralchile und im nördlichen Teil von Südchile angesiedelt. Chile ist das einzige Land Südamerikas, in dem Zuckerrüben angebaut werden.
Außenhandel:
Chiles Wirtschaft hängt stark vom Export ab. 2004 betrug der Exportanteil 34 % des Bruttosozialprodukts, was ziemlich genau dem von Deutschland entspricht. Besonders wichtig für die chilenische Wirtschaft ist der Kupferexport. Momentan steigen andere Exportgüter stärker als Kupfer und Mineralien. 1975 lagen diese noch bei 30 %, heute sind es etwa 60 %. Zu diesen Exportgruppen gehören Forst- und Holzprodukte, frische Früchte und Nahrungsmittel, Lachs, verarbeitete Nahrungsmittel, Fischmehl und Meeresfrüchte. 2004 stieg die Handelsbilanz um 9 Milliarden US-Dollar, viel stärker als 2003. Mit dem starken Anstieg der Rohstoffpreise explodierten die Exporte geradezu von 20,4 (2003) auf 32,1 in 2004 und 39,4 Milliarden US-Dollar in 2005. Chile verdrängte 2005 Norwegen als weltweit größten Lachsproduzent.
Der US-Markt ist mit 15 % der größte chilenische Einzel-Exportmarkt, allerdings wird die Volksrepublik China immer wichtiger. Haupthandelspartner des Landes sind Brasilien und Argentinien, mit denen Chile über den Mercosur assoziiert ist. Bis heute ist Chile dem Mercosur jedoch nicht als vollständiges Mitglied beigetreten, da dies dem Land die Möglichkeit nehmen würde, eigenständige Handelsabkommen mit anderen Ländern abzuschließen und es auch befürchtet wird, dass das Land im Falle eines vollständigen Beitritts sich der Gefahr aussetzen würde, durch wirtschaftliche Schwankungen seiner Nachbarn stärker getroffen zu werden. Durch den Kompromiss der Assoziierung bestand für Chile die Möglichkeit, eigene Freihandelsabkommen mit Japan, der EU und der NAFTA abzuschließen. Chile hat 2005 auch ein Freihandelsabkommen mit der Volksrepublik China abgeschlossen. Aufgrunddessen gilt die chilenische Volkswirtschaft heute als eine der offensten der Welt.
Staatsausgaben für Gesundheit, Bildung und Verteidigung:
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für:
  • das Gesundheitswesen bei 12%
  • das Bildungswesen bei 17%
  • das Militär bei 8%
Sozialversicherung:
1981 reformierte Chile mit Jose Piñera das Rentensystem und führte eine Rentenversicherung nach dem Kapitalisierungsmodell ein. Die Arbeitnehmer müssen zwischen 7 % und 13 % ihres Gehalts einzahlen. Dieses Rentensystem verbreitete sich schnell in Lateinamerika, so zum Beispiel in Argentinien, und wird in leicht abgewandelten Modellen in Schweden, Polen und anderen Ländern eingeführt. Kritiker bezweifeln allerdings, ob dieses System die Renten auch in Zukunft wirklich ausreichend sichern kann, da man erst nach Generationen die Ergebnisse sehen kann. Jedoch kann man heute aufgrund der langsamer wachsenden Bevölkerung ausgehen, das dieses Model erfolgreicher ist als Bismarcks Generationenvertrag. Arbeitnehmer müssen mindestens 7 % ihres Gehalts an eine private Krankenkasse abführen, die Arbeitgeber müssen zusätzlich entsprechend den selben Prozentsatz abführen.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Chile aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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