Der kubanische Arzt und Menschenrechtler Dr. Darsi Ferrer wurde - wie in den letzten zwei Jahren auch – im Vorfeld seines Schweigemarsches am Tag der Menschenrechte mehrmals von Geheimdienstmitarbeiter entführt, berichtet die in Frankfurt am Main ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die Absicht des Castro-Regimes: Dr. Ferrer und die ihn unterstützenden Bürgerrechtler von ihrem Vorhaben, öffentlich für die Menschenrechte auf Kuba zu demonstrieren, abzubringen. Mitarbeiter der Staatssicherheit drohten ihm, dass er selbst und sein inhaftierter Bruder Schlimmes zu befürchten hätten, sollte der Marsch stattfinden.Am 5. Dezember 2008 wurde Dr. Ferrer von Staatssicherheitsbeamten festgehalten und verhört. Gegenstand des Verhörs war der am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember geplante stille Protestmarsch. Die Beamten äußerten ihre angebliche "Sorge um die Sicherheit" Ferrers während des Marsches, der von "Passanten" attackiert werden könnte. Mit dieser gewaltsamen Methode waren aufgewiegelte Castro-Anhänger schon 2006 und 2007 gegen die Menschenrechtler vorgegangen.
Tag später suchte einer der beiden Geheimdienstler Dr. Ferrer in seiner Wohnung auf. Ferrer machte deutlich, dass der Protestmarsch stattfinden werde, worauf der Beamte ihm mit Veröffentlichung von Filmmaterial früherer Verhöre drohte. Zudem werde sich die Situation seines inhaftierten Bruders verschlechtern, so der Geheimdienstler, was in der Regel Folter bedeutet.
Bereits Ende Oktober war Dr. Ferrer durch den kubanischen Geheimdienst auf offener Strasse entführt worden. Der Arzt wurde von Beamten der Staatssicherheit in ein Auto gezerrt, die ihm daraufhin die Augen verbanden und ihn zu Boden drückten. Die beiden Stasi-Mitarbieter gaben ihre Identität nicht zu erkennen und legten keinen Haftbefehl vor, berichtet die IGFM. In einem Haus des Sicherheitsdienstes wurde Ferrer von zwei weiteren Beamten namens Damian und Saul zu seinen Menschenrechtsaktivitäten verhört. Sie behaupteten, auf Befehl des Innenministeriums zu handeln.
Trotz massiver Einschüchterungsversuche blieb Dr. Ferrer bei seinem Vorhaben. Der IGFM teilte der Bürgerrechtler mit: "Wie in früheren Jahren werde ich am Mittwoch, den 10. Dezember, morgens mein Haus zusammen mit meiner Frau verlassen und bis zum Park Villalón gehen. Der einzige Grund, warum wir zur angekündigten Zeit, um 11:00 Uhr, dort nicht ankommen könnten, wäre der folgende: dass die Geheimpolizei uns willkürlich verhaftet und daran hindert, dort anzukommen."
Mit dem Schweigemarsch, der um 12 Uhr Lokalzeit (18 Uhr deutsche Zeit) in Havanna beginnt, wollen die Bürgerrechtler auf die schweren Menschenrechtsverletzungen in Kuba aufmerksam machen.
Dr. med. Darsi Ramirez Ferrer ist Gründer und Leiter des unabhängigen Juan-Bruno-Zayas-Gesundheits- und Menschenrechtszentrums auf Kuba (Centro de Salud y Derechos Humanos "Juan Bruno Zayas"), das kostenlos medizinische Hilfe mittellosen Kubanern in Havannas Randgebieten erweist und für bessere Haftbedingungen für die politischen Gefangenen auf Kuba und deren medizinische Versorgung eintritt. Sein Protest gegen die Vertuschung des auf Kuba grassierenden Dengue-Fiebers durch die Castro-Regierung brachten ihm Berufsverbot und polizeiliche Überwachung ein. Doch der Mediziner ließ sich nicht einschüchtern. Er sandte Bilder von den schlimmen Zuständen im angeblich besten Gesundheitssystem Lateinamerikas in alle Welt und demonstrierte gegen die Missstände. Am 10.12.2007 (Tag der Menschenrechte) wurden seine Frau und er und 30 Gefährten von 150 Castro-Anhängern verprügelt, zuvor wurde auf seinen kleinen Sohn ein Giftanschlag verübt. Dr. Ferrer schwebt in permanenter Gefahr, verhaftet zu werden.
Quelle: IGFM